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  Ohne Gutenbergs Erfindung gäbe es heute nicht den Computer

 
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  • Gutenberg, Johannes eigentl. Gensfleisch zur Laden = erster dt. Buchdrucker im heutigen Sinn
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Vorgeschichte des Buchdrucks mit beweglichen Lettern

Bewegliche Schriftzeichen

  • Erster Versuch, mit einzelnen beweglichen Schriftzeichenstempeln zu drucken bereits im zweiten Jht. v. Chr. (in Phaistos gefundene Tonscheibe [Diskus von Phaistos] etwa 1600 v. Chr. Mit spiralförmiger Inschrift, die man mit Einzelstempeln einer Bilderschrift offensichtl. Einzeln geprägt)
  • chines. Schmied Pi-Scheng von 1040-1048 u.Z. Entwicklung einer Art Satzverfahren -->
  • formte chines. Wortzeichen aus Ton einzeln --> gebrannt, auf Metallplatte zusammengesetzt u. mittels Harzmasse darauf festgeschmolzen --> rasche Abnutzung Tontypen, kein exakter Abdruck, keine Durchsetzung in China wegen umständlicher Wortbildzeichen
  • 1392 Koreaner mit kupfernen Typen bessere Erfolge --> 1403 König Thai-Tjong Befehl zur Hebung Volksbildung Druck koreanische Lit. mittels dieser Typen (Druckleistung 1434: 200.000 Zeichen gegossen u. 40 Blatt pro Tag) --> nicht durchgesetzt (Einzelworttypen)

Einzelbuchstabenstempel

- besser geeignet als Bilder- o. Wortschriften mit wenigen Zeichen auskommende Einzelbuchstabenschriften für Herstellung von bewegl. Lettern, die man beliebig zusammensetzen o. auseinandernehmen kann

  • bereits in Antike für Unterrichtszwecke Einzelletter benutzt
  • Dtl. 1119 in Kloster Prüfening bei Regensburg Benutzung Buchstabenstempel zur Vertiefung Inschrift auf einer Tontafel
  • Münzer Goldschmiede Stempelschnitt u. Prägeverfahren mit Einzelbuchstaben
  • Seit 15 Jhd. Buchbinder Verwendung metallene Einzelstempel (Buchstabe erhaben o. vertieft) zum Aufdruck auf Einbände

--> immer Benutzung des geschnittenen Stempels selbst

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Gutenbergs Erfindungen

entstanden in einer Zeit zwischen 1436 - 1450

  1. Einzelbuchstaben: Patrize - Matrize
  2. Bleilegierung
  3. Gießinstrument
  4. Satztechnik (Setzkasten)
  5. Druck: Druckerfarbe, Druckerballen
  6. Tiegelpresse

Grundgedanke der Erfindung Gutenbergs war die Zerlegung des Textes in alle seine Einzelelemente, z.B. große und kleine Buchstaben, Satzzeichen, Ligaturen u. Abkürzungen.
Durch die Neuordnung der Einzellettern entsteht ein jeweils neuer, sinnvoller Text, d.h. die Buchstaben sind wiederverwendbar.

Buchstabenvervielfältigung

  • zunächst Stempel (Punzen, Patronen, Patrize) aus hartem Metall geschnitten
  • Buchstaben erhaben, seitenverkehrt
  • Prägung Patrize in weicheres Metall (z.B. Kupfer)
  • Buchstabenbild (Matrize) vertieft, seitenrichtig (Matrize rechtwinkliger Kubus mit geraden Seiten)
    • mit Feile auf passende Tiefe gebracht --> alle gleiche Tiefe

  • mittels Gießinstruments (Gutenbergs Erfindung) Ausgießen Matrize mit Bleilegierung (Gutenbergs eigene Zusammenstellung: Legierung aus Blei, Zinn, Antimon u. Zusatz von Wismut = Eigenschaften: schnelles Erkalten, ausreichende Dauerhaftigkeit unter dem hohen Druck der Presse[ 1 ] )
    • Ergebnis Letter = erhabenes, seitenverkehrtes --> auf Papier seitenrichtiger Abdruck
  • Einstellung/Abstimmung Gießinstrument so, dass massenweise Herstellung Typen mit exakt gleicher Form ermöglichte, die sich zu einem einwandfreien Satz verwenden ließen
  • Gießinstrument zwei Seiten umschließen rechteckigen Gießkanal, dessen Ende durch Einsetzen der Matrize verschlossen wird
  • nach Guss der Letter Entfernung Abgusszapfen

Satztechnik

  • Typen nach Prinzip der Praktikabilität in Fächern des Setzkasten abgelegt (häufig gebrauchtesten Letter genau in der Mitte vor dem Setzer)
  • Setzer fügen Letter in Winkelhaken zu Wörtern und Zeilen zusammen
  • im Setzschiffe zusammensetzen Zeilen zur Druckform, genaue Satzspiegel justiert und mit der sog. Kolumnenschnur umwunden, damit sie nicht auseinanderfallen konnte
  • für Druck mit metallenen Lettern ungeeignet wasserhaltige Farbe --> Gutenberg Entwicklung Druckfarbe (aus Lampenruß u. Firnis)
  • Farbe mit halbkugelförmigen Lederballen auf den Satz aufgetragen

Tiegeldruckpresse

Schema einer Presse
Schema einer Druckpresse
  • Satz in die Presse gelegt
  • das zu bedruckende Papier wurde angefeuchtet, um die Farbe besser anzunehmen und dann auf dem Klappbaren Pressdeckel mittels Nadeln (Punkturen) fixiert --> darüber Klapprahmen mit Aussparung in der Größe des Satzspiegels (Blattränder sauber blieben)
  • Wagen mit montiertem Satz und fixierten Papier unter den Tiegel gefahren
  • Tiegel mittels Spindel auf den Satz gepresst
  • Durch Punkturen mgl. Rückseite mit genau übereinanderstehendem Satzspiegel zu drucken
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Leistung Gutenbergs

  • Leistung Gutenbergs: Vereinigung Einzelstempel, Gussverfahren (Glockengießen, Münzherstellung) und Presse zu einem Verfahren (Buchdruck mit beweglichen Lettern)
  • Gutenbergs Erfindungen weltverändernd
  • "In genialer Weise fasste er verschiedene Technologien der Zeit zur neuen Technologie des Buchdrucks mit beweglichen Lettern zusammen."[ 2 ]
  • Vervielfältigung Stempel durch einfaches Abgussverfahren wesentliche Voraussetzung für Typendruck
  • Schaffung damit Grundlagen des modernen, mechanischen Druckverfahrens <--
  • bis heute angewendet weltweit
  • "Johann Gutenbergs Erfindung [...] zielte darauf ab, [...] Texte mechanisch zu vervielfältigen, und zwar Texte jeder Länge."[ 3 ]

Formgebung Buch in Anlehnung an reichhaltige Handschriften, eine mit typographischen Mitteln erzielte künstlerische Form zu geben mit zunächst handgemalten, später auch mit gedrucktem Buchschmuck vervollkommnet wurde

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Auswirkungen auf die Entwicklung der Menschheit

  • parallel weiterhin handschriftl. hergestellte Bücher bis Ende des 16. Jhd. (bestimmte Nutzerkreise)--> heute Manuskripte (gehen gedrucktem Buch i.d.R. voraus)
  • Siegeszug --> erhebliche Verbreitung Buchdruck v.a. 1470/80 Ausdehnung Bücherangebot
  • nach mehreren Jahrtausenden handschriftlicher Überlieferung dies Medienwechsel vergleichbar mit der Bedeutung der Entw. elektronischer Medien in unserer Zeit
  • steigende Kommunikation Förderung Vereinheitlichung Schriftsprache
  • geistige Entwicklung der kommenden Jahrhunderte von Buchdruck und seinen technischen Möglichkeiten geprägt

"Die Erfindung des Buchdruck hatte die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Schriften in größerer Stückzahl verbreitet werden und dementsprechend mehr Menschen am Austausch von Ideen teilhaben konnten, und Ideen ließen sich mit dem Druck auch rascher verbreiten als die bei handschriftlicher Vervielfältigung möglich war."[ 4 ]

--> langsamer Anstieg Tempo der kulturellen Entwicklung in Europa
--> zunehmende Bildung (Bildungsbürgertum in den Städten)

  • durch Erfindung mögl. Geschriebenes einer breiten Bevölkerungsschicht preiswert (Bücherpreise u. ca. 80% gesunken)[ 5 ] zugänglich zu machen

  • Einzelne Lehrer der Universitäten sehr rasch Möglichkeiten/Vorteile des Buchdrucks erkannt -->
  • Buchdruck genutzt (1475) u. seit spätestens 1480 ihre Bücher gedruckt (Kölner Hochschullehrer)[ 6 ] --> Erklärung für verhältnismäßig viele Auflagen (Wissensverbreitung)
  • Druck von kirchlichen Schriften (Bibel, Evangelien), Lehrbüchern, Beichtbüchern, Klassikern aus der Antike (z.B. Cicero, Epistolae ad familiares), politische Texte, Werke lokaler Prägung, erst gegen Ende des 15 Jhd. erste Roman

--> Reformation ohne Verbreitung Schriften Luthers u. seiner Gefolgsleute auf dem Weg über den Buchdruck nicht denkbar
--> Durchsetzung Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nur mit Verbreitung des Buchdrucks möglich
--> noch heute schriftliche Kommunikation beruhend auf dieser Grundlage
--> auch moderne Computertechnologie rückgehend auf Gutenbergprinzip: Information in kleinste Bestandteile zu zerlegen, neu zusammenzusetzen u. auf beliebige Weise zu vervielfältigen

=> ohne diese Medienrevolution keine so weite Verbreitung von Wissen u. Erfindungen, keine so ausführliche Speicherung von Wissen (nicht immer gleichmäßig geforscht an einem Wissensgebiet à Speicherung bereits vorhandenen Wissens) --> Vermeidung von Doppel- und Dreifacherfindungen
=> zunehmende Wissenskomplexität machte neue Speicherformen notwendig
=> ohne Verbreitung von Wissen (hoher Wissensstand) keine Demokratie mögl. (Entscheidungen des einzelnen Bürgers abhängig von seinem Wissen)

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Fussnoten

[ 1 ] http://www.gutenberg.de/erfindun.htm
[ 2 ] Heinold, Ehrhardt; Bücher und Büchermacher, S. 218
[ 3 ] Baurmeister, Ursula; Das Blockbuch - Vorläufer oder Konkurrent des mit beweglichen Lettern gedruckten Buchs?, In: Rationalisierung der Buchherstellung im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, S. 156
[ 4 ] Mirow, Jürgen; Geschichte des deutschen Volkes, S. 287
[ 5 ] Altmann, Ursula; Leserkreise zur Inkunabelzeit; In: Buch und Text im 15. Jahrhundert, S. 203
[ 6 ] vgl. Corsten, Severin; Universität u. Buchdruck in Köln, In: Buch und Text im 15. Jahrhundert, S. 197

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Quellenverzeichnis:

Buch und Text im 15. [fünfzehnten] Jahrhundert : Arbeitsgespräch in d. Herzog-August-Bibliothek, Wolfenbüttel, 1.-3.März 1978; Vorträge = Book and text in the fifteenth century/ hrsg. von Lotte Hellinga und Helmar Härtel. - Hamburg : Hauswedell, 1981
(Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung ; Bd. 2)
Altmann, Ursula: Leserkreise zur Inkunabelzeit, S. 203 - 215
Corsten, Serverin: Universität und Buchdruck in Köln. Versuch eines Überblicks für das 15. Jahrhundert, S. 189 - 201

Füssel, Stephan:
Johannes Gutenberg / Stephan Füssel. - Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Taschenbuch, 1999

Funke, Fritz:
Buchkunde: Ei Überblick über die Geschichte des Buch- und Schriftwesens / Fritz Funke. - Leipzig : Harassowitz, 1959
(Lehrbücher für den Nachwuchs an Wissenschaftlichen Bibliotheken ; Bd. 3)

Hacker, Rupert:
Bibliothekarisches Grundwissen / Rupert Hacker. - 7., neubearb. Aufl. - München : Saur, 2000

Heinold, Wolfgang Ehrhardt:
Bücher und Büchermacher : Was man von Verlagen und Verlegern wissen sollte / Wolfgang Ehrhardt Heinoldt. Unter Mitarb. von Gernot Keuchen u. Uwe Schultz. - 3., überarb. Aufl. - Heidelberg : Decker u. Müller, 1989
(Heidelberger Wegweiser)

Mirow, Jürgen:
Die Geschichte des Deutschen Volkes : Von den Anfängen bis zur Gegenwart / Jürgen Mirow. - Köln : Parkland, 1996

Rationalisierung der Buchherstellung im Mittelalter und in der frühen Neuzeit : Ergebnisse eines Buchgeschichtlichen Seminars, Wolfenbüttel, 12. - 14. November 1990/ [Geleitet von Peter Rück und Martin Borghardt]. \ Mit Beiträgen von U. Baurmeister ... Institut für Historische Hilfswissenschaften. Marburg an der Lahn: Inst. für Historische Hilfswiss., 1994
(elementa diplomatica ; 2)
Baurmeister, Ursula: Das Blockbuch - Vorläufer oder Konkurrent des mit beweglichen Lettern gedruckten Buchs, S. 147- 164;

Internetquellen:

Gutenberg.de http://www.gutenberg.de ; Konsultiert am: 24.04.2001

Literaturempfehlungen:

Gutenberg.de: http://www.gutenberg.de/

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Letzte Änderung am 29.04.2004

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